Viel Verantwortung, kaum Aufstiegschancen

Silvia Haddaji liebt ihren Job als Pharma-Assistentin auch nach 30 Berufsjahren noch.
Deshalb kämpft sie für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen – mit Syna an ihrer Seite.



«Wenn es nie geregelte Arbeitsbedingungen gibt,
dann geht unser Beruf unter»

Silvia Haddaji

Silvia ist wohl kein typisches Syna-Mitglied: Sie arbeitet schon seit über 30 Jahren als Pharma-Assistentin. Zur Gewerkschaft gestossen ist sie erst vor rund 2 1/2 Jahren, als Syna eine Petition lancierte und einen GAV forderte. Denn für Pharma-Assistentinnen gibt es noch keinerlei Schutz.

Deshalb hat Silvia auch eine Wut im Bauch: «Mit einem Lohn unter 5000 Franken kommt man mit Familie in der Stadt Zürich kaum durch. Als junge Einsteigerin kann man damit noch eher leben. Aber wenn es nach vielen Berufsjahren kaum eine Lohnerhöhung gibt, wird man einfach nicht wertgeschätzt.»

Harte Arbeitsbedingungen
Man spürt, dass Silvia ihren Job liebt: Pharma-Assistentinnen verkaufen nicht einfach Medikamente, sie beraten vor allem Menschen. «Wir sind für viele eine Vertrauensperson, auch ein wenig Psychologin.» Sie müssen immer mehr Regulierungen zu Sicherheit und Qualität beachten und neue medizinische Dienstleistungen wie Impfungen organisieren.

So tragen die Pharma-Assistentinnen eine grosse Verantwortung, die zu den im Verkauf üblichen harten Arbeitsbedingungen hinzukommt.

Umso schwieriger ist es deshalb, dass Pharma-Assistentinnen auch mit Weiterbildung keine Aufstiegschancen haben und weder auf einen garantierten 13. Monatslohn noch auf einen Mindestlohn zählen können. Einen GAV, der solches festlegen würde, gibt es nicht – höchstens unverbindliche Empfehlungen von den Apothekerverbänden.
Da ortet Silvia ein wesentliches Problem: «Pharma-Assistentinnen werden nicht von ihresgleichen geführt, sondern von Apothekern. Das sind Akademiker mit einem ganz anderen Berufsverständnis.» Zudem seien es Einzelkämpfer, die sich wenig mit anderen austauschen und kaum zusammenarbeiten.
So ist es auch für Syna schwierig, überhaupt einen Partner für Verhandlungen über Arbeitsbedingungen zu finden.

Es braucht Engagement

Deshalb müssten sich die Pharma-Assistentinnen organisieren. Silvia ist etwas enttäuscht von ihren Kolleginnen. Wenn sie von einem «typischen Frauenberuf» redet, meint sie das aber nicht abschätzig: «Mit diesen Löhnen bleibt es halt ein Beruf für Einsteigerinnen, die sich weiterbilden und dann abspringen, sowie für Teilzeitarbeiterinnen und Wiedereinsteigerinnen.» Diese trauen sich oft nicht, für bessere Löhne einzustehen. «So bleibt es ein Teufelskreis: ohne Engagement keine besseren Arbeitsbedingungen und ohne diese keine engagierten Berufsleute.»

Dem Beruf schuldig

Deshalb unterstützt die 51-Jährige den Kampf von Syna, vorerst im Kanton Zürich mit den Apothekern einen Vertrag auszuhandeln und Mindestlöhne zu vereinbaren. Und sie fühlt sich auch in ihrem persönlichen Engagement für den Beruf unterstützt. «Wenn es nie geregelte Arbeitsbedingungen gibt, dann geht unser Beruf unter», ist Silvia überzeugt. Deshalb engagiert sie sich immer wieder. «Wir Pharma-Assistentinnen sind gut gebildet, wir dürfen auch etwas eingebildeter sein. Das sind wir diesem Beruf schuldig.»
Ganz Berufsfrau, sagt sie es in freundlichem Ton. Die Entschlossenheit ist ihr aber ins Gesicht geschrieben – eben doch als typische Gewerkschafterin!
 

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